
Warum SAP die S/4HANA-Transformation vorantreibt: Die wichtigsten Gründe erklärt
Warum treibt SAP S/4HANA so stark voran? Wenn du dich von SAPs endlosem Gerede über KI, Business Data Cloud und „die Zukunft von ERP“ schon einmal überfordert gefühlt hast, bist du nicht allein. Dieser Artikel erklärt die wahren Gründe für SAPs S/4HANA-Transformation.
Inhaltsverzeichnis
Hast du schon einmal gedacht, dass SAP-Produktmanager wie dieser verrückte Meme-Typ aussehen? Das passiert, wenn sie aufgeregt über GROW, RISE, KI und ihre vielen Cloud-Produkte reden. Es ist zu viel auf einmal, als würden sie das Rätsel der Unternehmenssoftware lösen oder eine Geschichte darüber erzählen, warum „ECC schlecht ist“. Wenn du dich beim Gedanken an eine S/4HANA-Transformation so fühlst, mach dir keine Sorgen – vielen geht es genauso.
Sprechen wir ehrlich darüber, warum SAP so viel in S/4HANA investiert. Stell dir vor, du sitzt mit deinem SAP-Vertreter bei einem Bier zusammen und statt Marketing-Geschwafel erzählt er dir die wahre Geschichte. Es geht nicht darum, was S/4HANA ist oder wie man es implementiert. Es geht darum, warum SAP diesen Wandel so stark vorantreibt und was er für dein Unternehmen bedeutet.
Big Picture
Viele Kunden denken immer noch, dass S/4HANA nur eine aktualisierte Version von ECC ist – etwas, das einige Prozesse vereinfacht, an anderer Stelle aber die Komplexität erhöht. Diese Perspektive übersieht das große Ganze. SAP aktualisiert nicht nur ein altes Produkt; das Unternehmen positioniert seine gesamte Technologielandschaft neu.
Schaue dir das Big Picture an! S/4 ist nur ein winziger Bruchteil ihres Geschäftslösungsangebots. [1]
S/4HANA ist Teil eines größeren Ökosystems, das moderne Fiori-Frontends, SAP Analytics Cloud für Echtzeit-Einblicke, die Business Technology Platform (BTP) mit ihren Integrations- und Datenservices sowie eine wachsende Bibliothek von Standard-APIs umfasst. Die Botschaft ist klar: SAP versteht, dass Endbenutzer schnelle, zuverlässige Software wünschen, die im Browser funktioniert, ohne dass sie lokal installiert werden müssen. Um diese Erwartung zu erfüllen, ist eine moderne Architektur erforderlich, die auf APIs, Microservices und ereignisgesteuerter Kommunikation basiert.
In diesem Zusammenhang spielt S/4HANA die Rolle eines Ankers und ermöglicht vier Schlüsselbereiche der Cloud-Strategie von SAP: Integration, Daten, Erweiterbarkeit und Anwendungen.
Integration
In der alten Welt sorgten Punkt-zu-Punkt-Verbindungen wie RFCs und IDocs dafür, dass die Systeme miteinander kommunizierten. In der neuen Welt werden diese Verbindungen nicht ausreichen. [2] SAP möchte, dass du moderne Integrationspraktiken mithilfe der Integration Suite von BTP oder Datenaustausch in der Datasphere übernimmst. Diese Ansätze erstellen skalierbare, dauerhafte und zukunftssichere Verbindungen.
Daten
Bei Daten geht es nicht mehr darum, mit SQL SAP Tabellen zu lesen und zu bearbeiten. Stattdessen dreht es sich um Modelle wie das Virtuelle Datenmodell (VDM) oder Core Data Services (CDS). Dieser Wandel schafft Konsistenz und Stabilität. Fast alle OData-APIs und jedes SAP-Datenprodukt basieren auf CDS Views. [3] SAP verarbeitet die Standarddatenprodukte wie Bestellungen, Kundenaufträge, Geschäftspartner usw., während die Kunden für ihre benutzerdefinierten Modelle verantwortlich bleiben.
Erweiterbarkeit
Jahrzehntelang erlaubte SAP tiefgreifende Anpassungen, die bei Upgrades oft instabil wurden und deren Wartung teuer wurde. Mit S/4HANA ändert sich der Ansatz. Erweiterungen sollten jetzt mithilfe definierter Verbesserungspunkte wie BADIs erstellt werden, anstatt invasive Änderungen am Kern vorzunehmen. Das Clean-Core-Prinzip erzwingt diese Disziplin und stellt sicher, dass Systeme aktualisierbar und stabil bleiben. [4]
Anwendungen
Auf der Anwendungsseite liegt der Schwerpunkt auf SaaS-fähigen Lösungen. Kunden werden ermutigt, nach Möglichkeit Standard-Fiori-Apps oder SAP GUI für HTML + SAP Screen Personas zu verwenden und diese Apps und ihre APIs zu erweitern, anstatt die Funktionalität neu zu schreiben. Wenn benutzerdefinierte Apps benötigt werden, empfiehlt SAP, mit Fiori Elements auf RAP zu beginnen, bevor zum Flexible Programming Model gewechselt wird. Für diejenigen, die noch mehr Agilität wünschen, gibt es weitere Erweiterungsmöglichkeiten. Dazu gehören UI5-Freestyle-Möglichkeiten, Java und andere Programmiersprachen. Low-Code-Tools wie SAP Build Apps bieten zusätzliche Optionen.
Das Engagement von SAP für diese Strategie zeigt sich in den Zahlen. Im Jahr 2019 gab es 740 Fiori Elements-Apps. Bis 2023 hatte sich diese Zahl fast verdoppelt auf 1.466, wobei die meisten mit RAP erstellt wurden. Der Trend ist klar: SAP investiert stark in die Entwicklung moderner Apps.
Der Fortschritt von SAP [5]:
| SAP Fiori für SAP S/4HANA On-Premise | Anzahl der Fiori Elements Apps |
|---|---|
| S/4HANA 1909 | 740 |
| S/4HANA 2020 | 916 |
| S/4HANA 2021 | 1093 |
| S/4HANA 2022 | 1297 |
| S/4HANA 2023 | 1466 |
Die Herausforderungen der Fiori-Einführung
Natürlich lief nicht alles reibungslos. Viele erfahrene ABAP-Entwickler tun SAPUI5 als veraltet ab, und einige Kunden zögern, das Fiori Launchpad einzuführen, wenn ihre Benutzer noch mit der klassischen SAP-GUI vertraut sind. Für diese Kunden sollte Fiori nur dort eingeführt werden, wo es einen klaren Mehrwert bietet. Gleichzeitig ist es wichtig zu erkennen, dass SAPs neues Toolset die Entwicklung kundenspezifischer Apps beschleunigt. Mit RAP können Entwickler bei ABAP bleiben und gleichzeitig Fiori-Apps erstellen, ohne sich in JavaScript vertiefen zu müssen.
Das Erlernen und Einfügen cloudbasierter Tools zahlt sich schnell aus. SAP Build beispielsweise entwickelt sich ständig weiter und ermöglicht Entwicklern, Apps schneller als je zuvor zu erstellen. Unternehmen, die früher umsteigen, profitieren früher von diesen Effizienzgewinnen.
Warum der Vorstoß in Richtung Standardisierung und Cloud?
Hinter SAPs aggressivem Vorstoß steckt auch ein strategischer Grund. Ab S/4HANA Public Cloud Release 2508 wird SAP separate Codeversionen für Public Cloud- und Private Cloud-/On-Premise Deployments verwenden. Das bedeutet, dass sich Apps und APIs in den beiden Umgebungen unterschiedlich entwickeln werden. SAP hat jedoch versprochen, dass die ABAP Plattform in allen S/4HANA-Versionen konsistent bleibt. Siehe Screenshot.
Die wichtigsten Neuerungen – neue Fiori-Apps, neue APIs und sogar KI-Funktionen wie SAP Joule – kommen zuerst in die Public Cloud. On-Premise-Kunden müssen entweder warten oder Downports anfordern. SAP argumentiert wie folgt: Je früher du eine Cloud-First-Strategie einführst, desto eher profitierst du von niedrigeren Kosten und schnellerem Zugang zu Innovationen. Als Faustregel gilt: Dein Unternehmen sollte schnell auf die neuesten S/4HANA-Versionen aktualisieren können. Für dein Unternehmen bedeutet ein Cloud-First-Ansatz, dass neue Betriebsmodelle erforderlich sind und die bestehende Infrastruktur schrittweise abgebaut werden muss. Denke im voraus! Es ist ratsam, entsprechend zu planen, da die Abhängigkeit von traditionellen Software-Betriebsmodellen den Zugang zu den neuesten Innovationen von SAP einschränken kann.
Es ist wichtig zu bedenken, dass S/4HANA Kunden auch direkt an die HANA-Datenbank bindet. Ältere Produkte wie ECC mussten mehrere Datenbankanbieter unterstützen, was die Flexibilität von SAP einschränkte. [6] Durch die Entwicklung eines neuen Produkts könnte SAP diese Anforderung fallen lassen und alle Innovationen auf seine eigene Datenbankplattform konzentrieren. Durch die Konzentration auf S/4HANA, insbesondere die Public Cloud, und die Reduzierung der Komplexität kann SAP den Produktsupport und die Entwicklung rationalisieren.
Abschließende Gedanken
Im Kern geht es bei der S/4HANA-Transformation von SAP darum, Komplexität zu reduzieren, Standardisierung voranzutreiben und Kunden auf eine Cloud-First-Zukunft vorzubereiten. Die Veränderung ist nicht nur technischer Natur; sie betrifft Datenmodelle, Integrationsstrategien, Entwicklungspraktiken und letztendlich die Art und Weise, wie Unternehmen ihre Teams strukturieren.
Für Unternehmen, die noch an Altsystemen festhalten, stellt sich nicht die Frage, ob sie migrieren, sondern wann. Aufschub mag bequem erscheinen, bedeutet aber auch höhere Kosten und einen langsameren Zugang zu Innovationen. SAP hat seine Richtung klar gemacht: Die Zukunft liegt in der Cloud, und S/4HANA ist der Weg dorthin.
Quellen:
[1] SAP Big Picture Architecture Suche nach „On premises“, hier findest du „S/4“
[2] Extend SAP S/4HANA in the cloud and on premise with ABAP based extensions (Kapitel 4.4.4 Connectivity)
[3] Data Product | Data Products | SAP Business Accelerator Hub > Klicke auf ein Datenprodukt und sieh dir unten die Ausgabeports an – APIs oder Business Objects
ODATA V2 | SAP S/4HANA | SAP Business Accelerator Hub > Klicke auf eine API, siehe Dokumente > SAP-Hilfe, in den meisten Fällen findest du hier direkt eine CDS-Ansicht.
[4] Clean core extensibility for SAP S/4HANA Cloud, Ich empfehle das Dokument zu lesen.
[5] SAP Fiori Apps Reference Library Filtere nach UI-Technologie – jede Fiori Elements-Option und nach Produktversion
[6] Difference Between SAP ECC, HANA, R/3, and S/4HANA | LeanIX

